Musik

"Der Kuckuck und der Esel" hieß das Lied. Ich war acht Jahre alt und durfte im kleinen Orchester der evangelischen Volksschule Waldniel beim Familienfest das Vibrafon spielen. Damit fing alles an. Zumindest in der Öffentlichkeit. Denn bei uns zu Hause spielte das Musizieren immer eine Rolle. Meine Mutter war Mitglied in einem Mandolinenorchester und mein Vater ein Allroundtalent, was Instrumente betraf. Es war selbstverständlich, dass mein Bruder und ich von unseren Eltern zu Weihnachten und an Geburtstagen mit kleinen Instrumenten versorgt wurden. Ich bin tatsächlich als Zweieinhalbjähriger mit dem sprichwörtlichen Trömmelchen um den Weihnachtsbaum gelaufen, da gibt es noch ein Foto als Beweis. Mein erstes Melodieinstrument war eine Hohner-Kindermundharmonika aus gelbem Plastik. Es folgten Xylofone und Glockenspiele, Flöten, Klarinas und Melodikas, später Gitarren und Orgeln. Ab der ersten Schulklasse gab unsere Lehrerin, Frau Pongs, mir und drei weiteren Kindern vier Jahre lang kostenlosen Musikunterricht. Einmal im Jahr traten wir vor den Eltern auf, ich habe es geliebt. Später untermalte ich mit Freunden die Gartenpartys meiner Eltern musikalisch. Mit 13 kam dann die erste Schülerband mit sehr improvisiertem Equipment, aber enorm viel Enthusiasmus. Später wechselte ich die Seite und interviewte und fotografierte Rock- und Popstars. Ich war nahezu in allen heute legendären Rockpalastnächten des WDR der 70er und 80er Jahre dabei, front- und backstage, es war eine großartige Zeit. Kurz nach 1990 stieg ich bei den Personal Assistants ein. Der Gitarrist und Produzent Ralle Rudnik nahm mit uns ein Demoband auf, das ich an Plattenfirmen verschickte und das uns ein sehr reizvolles Angebot aus Köln einbrachte. Die Bedingung war, dass wir auf Deutsch zu singen hatten. Was mich sehr freute. Leider weigerte sich unser hochbegabter Sänger standhaft, auch nur ein einziges deutsches Wort ins Mikrofon zu singen (ich könnte ihn heute noch dafür in den Hintern treten). Der Plattenvertrag kam nicht zustande, die Band tingelte dann ohne mich weiter. In Aachen suchte ich mir mit Zeitungsannoncen eine internationale Truppe zusammen - einen britischen Sänger, zwei Afrikanerinnen, einen Niederländer, drei Deutsche. Wir spielten eine sehr eingängige Mischung aus Reggae, Rap, Soul, Pop und Weltmusik, nahmen im Musikbunkerstudio ein Album in Eigenregie auf und erhielten recht schnell ein Angebot von einer Plattenfirma. Dumm war, das unser Sänger diesen alleine als Solokünstler unterschrieb und der Rest der Band die schriftliche Kündigung von seiner Anwältin erhielt. Als ich meine eigene Musik später auf Funkhaus Europa von anderen Leuten gespielt im Radio hörte, hatte ich die Nase voll vom Musikbusiness. Es dauerte ein paar Jahre, bis ich dann mit Guido Böckem, dem Sänger der Band Substyle aus Mönchengladbach, zusammen mit dem Gitarristen und späteren WDR-Fernseharzt Heiwi "Doc" Esser Titel schrieb, die erfolgreich im Radio, auf MTV und Viva liefen. Leider fiel das vielversprechende Projekt nach drei Alben und mehreren Singles auseinander. In den letzten 15 Jahren war ich in wechselnden Bluesformationen im Kreis Heinsberg oder als Gast von diversen Bands unterwegs. Momentan bin ich wieder zurück zu den Wurzeln gegangen und mache mit einigen Leute akustische Folkmusik mit meinen deutschsprachigen Texten.