Gibt es wirklich Blutlinien?

"Na, das ist doch wirklich nichts Neues, oder?", fragte mich meine Mutter, nachdem sie das Buch Sakrileg von Dan Brown gelesen hatte. Dass Jesus und Maria Magdalena eine Familie gegründet hatten; mit späteren Enkeln und Urenkeln und so weiter... . Und dass Jesu Brüder und Schwestern, Onkel und Tanten auch Nachkommen hatten und auch heute noch haben - das war ihr schon als Kind bewusst. Ihr Opa hatte es ihr erzählt. Er gehörte einer Rosenkreutzergemeinschaft an und forschte in diesem Bereich. Leider gingen alle seine Unterlagen und Notizen im Krieg verloren.

Was erhalten blieb, sind uralte Dokumente über die Herkunft meiner Urgroßeltern aus Brabant. Auf deren Basis lässt sich mütterlicherseits eine Abstammung aus diversen uralten Adelsfamilien rekonstruieren. So stammen die Grafen von Rode, die Grafen von Merum und die Grafen von Kessel, als meine mütterlichseitigen Urahnen, von Arnulf von Metz ab (samt heiligem Anhang). Ebenso aus den Häusern derer von Lothringen, von Aquitanien, den Burgundern und anderer Familien, die in der Gralsliteratur immer wieder genannt werden, wie etwa den mysteriösen Merowingern. 

Ja, und? Es gibt zahlreiche mir bekannte Familien, die diese Wurzeln haben. Es existieren lose Netzwerke, in denen Stammbäume verglichen werden können und auch DNA-Testergebnisse. Trotzdem kann, soweit ich weiß, niemand über Wasser gehen. 

Für mich ist die Familienforschung, auf die ich erst durch die Arbeiten von Verwandten gestoßen worden bin, eine spannende Freizeitbeschäftigung, denn man lernt dadurch sehr viel über vergangene Zeiten und erhält zumindest in kleinen Details Einblicke in das Leben der Vorfahren. Zugegeben, es macht Spa´ss, eine alte Burgruine zu besichtigen mit dem Wissen, dass die eigenen Altvorderen hier einst herumspaziert sind, dort gelebt, geliebt, gefeiert und was sonst noch so getrieben haben. Aber macht das einen für sich selbst oder einen anderen Menschen besonders? Ich denke nicht. Es sei denn, der andere Mensch hat die Fantasie eines Dan Brown.

Wobei: Es gibt, zumindest in unserem unmittelbaren Familienzweig, durchaus eine Tradition im Bereich Heilung/Spiritualität und das, so wie es aussieht, schon seit vielen Generationen. Es scheint doch etwas in den Genen zu sein. Auch als Nichtkatholik fühle ich mich der heiligen Chrodoara, dem heiligen Arnulf von Metz (Schutzpatron der Bietrinker!), der heiligen Begga und noch ein paar anderen christlichen Heiligenscheinträgern (zumindest sind sie das auf mittelalterlichen Darstellungen) in meiner Ahnenliste auf eine spezielle Weise verbunden. Warum auch nicht?