Positiv-negativ

Ein Kritiker hat einmal in einer Rezension geschrieben, dass ich in meinen Büchern Anleitungen zum positiven Denken liefern wolle, die längst veraltet und für manche Menschen sogar gefährlich seien. Diese Kritik ist meiner Meinung nach oberflächlich, er hat meine Beiträge dazu nicht richtig gelesen oder nicht verstanden.

Persönlich betrachte auch ich amerikanische Bestseller wie etwa The Seceret skeptisch. Es funktioniert nicht, mit einem Dauergrinsen durch die Welt zu spazieren, ständig Gutes zu visualisieren und immer nur Erfolgserlebnisse zu erwarten. Wir müssen akzeptieren, dass es im Leben Niederlagen gibt, dass Misserfolge stattfinden und wir schlicht und einfach Pech haben können, ohne dass wir vorher einen Fehler gemacht haben. Den in der Esoterikszene oft benutzten Satz "Es gibt keine Zufälle" teile ich nicht. Doch, es gibt Zufälle. Und es gibt himmelschreiende Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Unglück existiert (leider).  Das irdische Leben ist immer polar, Gut und Böse sind vorhanden, Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit, Freud und Leid... . Und sehr, sehr oft ohne unser eigenes Zutun. Dennoch: Wir können unser Denken steuern und haben mehr (wenn auch begrenzte) Macht über unser persönliches Leben, als uns meistens bewusst ist. Optimistische Gedanken und gute Gefühle, Lächeln und Lachen stärken Wohlbefinden und Gesundheit, darüber gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien. Damit sind nicht aufgesetztes Keep-on-Smiling und Verdrängung gemeint. Probleme und Schwierigkeiten kann man nicht weglächeln, sie müssen erkannt und bearbeitet werden. Dabei macht es Sinn, wenn wir uns fragen: "Ist dies jetzt ein großes Problem oder mache ich es vielleicht erst durch falsches negatives Denken größer, als es in Wahrheit ist?" Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen Bewerten und Erkennen. Auch  dürfen wir uns gestatten, schon vorab über mögliche negative Ergebnisse unseres Tuns nachzudenken, denn das kann uns dazu führen, dass wir nötige Sicherheitsvorkehrungen treffen oder uns innerlich auf einen eventuellen Misserfolg vorbereiten, was die anschließende Enttäuschung zu verringern hilft.  Unser Gehirn liefert uns die technische Möglichkeit, das Denken in die Richtung zu beeinflussen, die für uns den größten Sinn macht. Wir sind Chefs in unseren eigenen Köpfen und können frei entscheiden. Oftmals ist für unser Denken und  Handeln der mittlere Weg der praktischste, wenn wir uns über die positiven, schönen Dinge freuen und die negativen, unangenehmen ebenso wahrnehmen und angemessen mit ihnen umgehen und sie, wenn es möglich und angebracht ist, loslassen.