Ahnenforschung

Lange Jahre reichten mir die lebenden Menschen; an meine Vorfahren habe ich kaum einen Gedanken verschwendet, obwohl ich ziemlich viele alte, vergilbte Dokumente geerbt habe, die Auskunft über einige meiner direkten Ahnen geben. Erst im digitalen Zeitalter mit einfachem Zugriff auf Archive und Veröffentlichungen erwachte mein Interesse. Besonders hilfreich waren mir bei den Recherchen die offenen Archive in den Niederlanden (openarchives.nl), die schon seit Jahren stattfindenden Ahnenforschungen einiger Verwandter sowie diverse Buchveröffentlichungen, in denen sich tatsächlich einige meiner Altvorderen finden ließen. Mein Vater war Saarländer, einige direkte Vorfahren stammten neben dem deutschsprachigen Raum aus Frankreich, Belgien, Luxemburg und Skandinavien. Es waren einfache Handwerker und Bauern darunter wie auch Gutsbesitzer und Kaufleute, Lehrer und Schriftsteller, Ärzte und Bürgermeister. Ein Teil meiner mütterlichen Vorfahren waren fahrende Gaukler und Musikanten, da gibt es kaum Aufzeichnungen, die über das 19. Jahrhundert hinaus gehen. Ein anderer Teil waren adelige Rittergutsbesitzer im Raum Eindhoven. Deren direkte Nachfahren in den Niederlanden haben umfangreiche Stammbäume erstellt und Historiker wie auch niederländische Heimatkundler haben Bücher über die Familien geschrieben beziehungsweise sie in Veröffentlichungen erwähnt. So lassen sich manche direkte Linien lückenlos bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen. Ich bin nach wie vor skeptisch, wenn ich in den veröffentlichten Stammbäumen beispielsweise die heilige Chrodoara finde und den einen oder anderen Namen, den man aus Geschichtsbüchern kennt. Als ich erfuhr, dass einige meiner niederländischen Verwandten sich eines Gentests unterzogen haben, habe ich dies nach längerem Zögern und trotz starker Bedenken trotzdem gemacht, weil die Neugierde gesiegt hat. Tatsächlich hat er diverse erstaunliche Verwandtschaftsverhältnisse aufgedeckt und manchen Familienmythos bestätigt. Inzwischen ist diese Forscherei für mich zu einer abendlichen Freizeitaktivität geworden. Der Schluss, den ich für mich daraus ziehe ist der, dass alle Menschen gleichwertig sind, ob Bauern, Gaukler oder Grafen. Allerdings sind jedes Leben und jede Biografie einzigartig.